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Verschiedene LUKis testen gerade verschiedene Messenger, die angetreten sind, um die zentrale Marktherrschaft eines bestimmten zentralisierten, closed-sourced Messengers in Frage zu stellen.
Hier kommt meine Einschätzung des Matrix Protokolls bzw. seiner aktuellen Implementierung in Form von riot.im:
Matrix/riot.im:
ist angetreten, das XMPP-Protokoll zu beerben und dessen Schwächen zu beheben
will dezentral und mit dem Web und mobilen Geräten gut nutzbar sein
bietet vielfältige Funktionen, inkl. Telefonie und AV-Konferenz
bietet mit riot.im viele funktionsfähige Implementierungen auf unterschiedlichen Plattformen
Klingt also spannend.
Probleme:
Ein dezentraler Server ist schnell aufgesetzt (gut!), aber die Entwicklerfirma hinter Matrix/Riot.im betreibt einen zentralisierten Identitätsserver. Ohne diesen Identitätsserver sind die Anwendungen imho nur einem eingeschränkten Nutzerkreis zugänglich (so wie
IRC/XMPP), weil man die Nutzerkennung auf drittem Wege austauschen muss.
Die Verschlüsselung in der Web-App wird als „beta“ eingestuft. Das halte ich für eine grobe Beschönigung. Ein per HTTP/Server ausgelieferter kryptographischer Javascript-Code kann nicht sicher sein, weil es derzeit keine Möglichkeit gibt, die Code-Integrität von Javascript-Code browserseitig zu überprüfen (korrigiert mich, wenn ich falsch liege). Das bedeutet, dass man jede verschlüsselte Nachricht, die von der WebApp versendet wird, prinzipiell als unsicher einstufen muss, weil der Server jederzeit fehlerhaften kryptographischen Code ausliefern kann (beabsichtigt oder unbeabsichtigt durch Code Intrusion).
Anmerkung: Die Verschlüsselung bezieht sich auf die Verschlüsselung von Räumen durch eine End-zu-End Verschlüsselung. Solange man den Server selber kontrolliert, ist eine Verschlüsselung nicht zwingend erforderlich. Die Transportverschlüsselung selber geschieht immer über SSL/HTTPS - ist also von diesem Problem nicht betroffen. Im Wesentlich kein großer Unterschied zu Mattermost, Rocketchat, Slack und Co.
Meine Bewertung; TL;DR:
Spannende Open-Source-Idee, mit dem zentralen Identitätsserver, der Datenschutzerklärung in den UK und der WebApp aber ein Datenschutz- und Sicherheitsfail.
Für seriöse kirchliche (seelsorgerliche oder amtliche) oder betriebliche Kommunikation daher nicht verwendbar.
Ausnahme: Man schließt WebApp-Nutzer aus, betreibt einen eigenen, in Deutschland lokalisierten Identitätsserver und liefert eine App aus, die nur diesen Server nutzt. Wäre aber viel Aufwand und auch eine ungünstige Insellösung: Die Identitätsserver sollten auch dezentral sein und bei Bedarf untereinander kommunizieren können.
Insgesamt gibt es also noch deutliches Entwicklungspotential.
